Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) hatte die Studie in Auftrag gegeben, um herauszufinden, wie genau die Arbeitsbedingungen der Lieferdienst-Fahrenden aussehen.

Die Ergebnisse

Die befragten Lieferdienst-Fahrerinnen und -Fahrer sind überwiegend männlich (93 Prozent), im Durchschnitt 30 Jahre alt und zu 75 Prozent im Ausland aufgewachsen. Die häufigsten Herkunftsländer sind Indien, Bangladesch, Pakistan, die Türkei und Syrien. Rund 70 Prozent verfügen über einen Bachelorabschluss oder eine höhere akademische Qualifikation. Für ihre Arbeit nutzen die Riderinnen und Rider mehrheitlich Pedelecs (63 Prozent), gefolgt von konventionellen Fahrrädern (34 Prozent). Das Forschungsteam geht bei den Angaben von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus, da sich viele Riderinnen und Rider nicht trauen würden, an einer solchen Befragung teilzunehmen.

Die Unfallquote liegt mit 298 meldepflichtigen Arbeitsunfällen pro 1.000 Vollzeitbeschäftigten pro Jahr deutlich über den Werten anderer Wirtschaftszweige. Zum Vergleich: In den bei der BG Verkehr versicherten Branchen lag die Unfallquote im Jahr 2024 durchschnittlich bei rund 34 Betroffenen. Das Forschungsteam geht bei allen Angaben von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus, da sich viele Riderinnen und Rider nicht trauen würden, an einer solchen Befragung teilzunehmen.

Weitere Erkenntnisse

  • Je weniger Berufserfahrung, desto mehr Unfälle: Bei weniger als einem Jahr Erfahrung ereigneten sich durchschnittlich fünf Unfälle pro Jahr. Ab einer Berufserfahrung von drei Jahren stabilisiert sich der Wert bei etwa einem Unfall pro Jahr.
  • Die unfallträchtigste Zeit (rund die Hälfte aller Unfälle) ist die zwischen 18 und 21 Uhr, wenn das Bestellaufkommen besonders hoch ist.
  • 71 Prozent der erfassten Verkehrsunfälle von Lieferdienst-Fahrerinnen und -Fahrern sind Alleinunfälle. Als häufigste Ursache nannten 72 Prozent der Befragten rutschige Oberflächen durch Laub, Nässe oder Eis.
  • Erfahrungen mit dem Fahrradfahren in Kindheit und Jugend sind ein relevanter Faktor für das Unfallrisiko.
  • Bei etwa jedem zweiten Unfall erlitten Riderinnen und Rider Verletzungen. Besonders betroffen waren Beine und Füße (73 Prozent) sowie Schultern, Arme und Hände (62 Prozent).
  • 26 Prozent der verunfallten Lieferdienst-Fahrerinnen und -Fahrer haben noch nie einen Unfall an ihren Arbeitgeber gemeldet. Das gilt vor allem für Unfälle ohne längere Krankschreibung: 53 Prozent verzichteten in diesen Fällen auf eine offizielle Meldung. 

Studie sieht Handlungsbedarf

Die Studienverantwortlichen und der DVR sehen in folgenden Punkten Möglichkeiten, die Sicherheit der Riderinnen und Rider zu verbessern:

  • zeitgemäße Regeln für Arbeitsschutz und Transparenz in der plattformgetriebenen Wirtschaft, die auch die Verkehrssicherheit einbeziehen
  • verpflichtende Schlechtwetter-Regeln mit automatischen App-Pausen und witterungsangepasste Routenempfehlungen
  • zusätzliche Zeitpuffer während der abendlichen Stoßzeiten
  • verpflichtende Schulungen zu den zentralen Sturzursachen
  • mehrsprachige digitale Kurzinformationen für das Smartphone, etwa zu den wichtigsten Risiken
  • Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger sowie Personen mit geringer Fahrraderfahrung gezielt ansprechen
  • schnelles, mehrsprachiges App-Reporting für Unfälle
  • Leitfäden für einen konstruktiven Umgang mit Fehlern für eine angstfreie Kultur bei Unfallmeldungen

„Aus meiner Sicht liegt der Schlüssel in einer besseren Arbeitsorganisation – Verkehrssicherheit und Arbeitsschutz müssen hier Hand in Hand gehen“, sagt Martin Küppers, Leiter der Abteilung Handlungsfelder und Präventionskonzepte bei der BG Verkehr.

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