Für die Studie befragte der DVR rund 500 Lkw-Fahrerinnen und-Fahrer. Ein Ergebnis: 59 Prozent schalten bestimmte Fahrerassistenzsysteme (FAS) gelegentlich oder gar grundsätzlich ab. 

Das ist weniger alarmierend, als es klingt. Ein näherer Blick auf die Umfrageergebnisse zeigt: Wichtige Lebensretter wie der Notbremsassistent oder der Abbiegeassistent werden von der großen Mehrheit der Fahrer und Fahrerinnen akzeptiert und genutzt. Immerhin 80 Prozent halten die Systeme insgesamt für sinnvoll und sicherheitsfördernd. Nur 2,4 Prozent gaben an, den Notfallassistenten vor oder während der Fahrt regelmäßig auszuschalten. Beim Abbiegeassistenten liegt der Wert bei 4,3 Prozent.

Demgegenüber räumten 28,6 Prozent ein, den Spurhalteassistenten regelmäßig zu deaktivieren. Mögliche Erklärung: Im innerstädtischen Verkehr mit vielen Fahrbahnmarkierungen versprechen sich einige vom Spurwechselassistent wenig Sicherheitsgewinn, sondern fühlen sich durch unerwünschte Eingriffe in das Fahrgeschehen eher gestört.

An einigen Stellen zeigt die DVR-Studie massiven Handlungsbedarf. 36 Prozent der Fahrenden fühlen sich nicht oder unzureichend über die FAS in ihrem Lkw informiert. 32 Prozent gaben an, keine Einweisung oder Unterweisung zu ihren elektrischen Helfern erhalten zu haben. 53 Prozent fühlen sich durch Warnungen, Systemfehler oder Eingriffe gestört. Und immerhin 23 Prozent kennen die in ihrem Fahrzeug verbauten Systeme überhaupt nicht.

Nach Meinung von Hans Heßner, Referent für den Straßenverkehr bei der BG Verkehr, müssen Fahrzeughersteller und Fuhrparkverantwortliche hier ansetzen. „Fehlendes Vertrauen, Fehlwarnungen und mangelndes Technikverständnis führen zum Abschalten der Systeme. Akzeptanz entsteht durch zuverlässige Funktion, verständliche Bedienung und erkennbaren Sicherheitsnutzen, nicht allein durch Vorschrift“, kommentierte Heßner auf dem DVR-Fachgespräch zum Thema Fahrerassistenzsysteme im September in Berlin.

Heßner fordert regelmäßige Unterweisungen in den Unternehmen zum Thema Fahrerassistenzsysteme. Christiane Leonard vom Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) sieht dies ähnlich. „Die Schulungsvorgaben der Berufskraftfahrerqualifikationsrichtlinie greifen zu kurz. Es braucht Praxiserfahrung“, sagt die bdo-Hauptgeschäftsführerin und DVR-Vizepräsidentin. „Schulungen müssen das Thema gesondert behandeln, statt es in der Gesamtschulung untergehen zu lassen“, sagt Jens Pawlowski vom Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung.

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