Schocken, mahnen und erklären?Es gibt auch bei Ihnen im Betrieb diese Handvoll, die sich nicht vom Sicherheitsgurt überzeugen lässt? Zugegeben: Wir haben auch kein Universalrezept. Dafür aber eine Reihe ziemlich nützlicher Hilfestellungen.https://sicherheitsprofi.bg-verkehr.de/webmagazin/themen/schocken-mahnen-und-erklaerenhttps://sicherheitsprofi.bg-verkehr.de/@@site-logo/SiPro-Logo.svg
Schocken, mahnen und erklären?
Es gibt auch bei Ihnen im Betrieb diese Handvoll, die sich nicht vom Sicherheitsgurt überzeugen lässt? Zugegeben: Wir haben auch kein Universalrezept. Dafür aber eine Reihe ziemlich nützlicher Hilfestellungen.
Es regnet. Ein Fahrer steigt in seinen Kleintransporter, fährt los. Auf der Autobahn gerät sein Fahrzeug ins Schleudern und prallt gegen die Mittelleitplanke. Der Fahrer stirbt. Weil er den Sicherheitsgurt nicht angelegt hatte, wurde er durch die Frontscheibe hinausgeschleudert und vom eigenen Fahrzeug überrollt.
Dieser Unfall ist nicht dadurch verursacht worden, weil der Fahrer sich nicht angeschnallt hat. Aber mit ziemlicher Sicherheit ist er deshalb ums Leben gekommen. Je mehr Technik unseren Straßenverkehr sicherer macht, umso bedeutsamer wird der Anteil des menschlichen Verhaltens – entweder an den Ursachen oder an der Schwere der Unfälle.
Gurtpflicht zeigt seit 50 Jahren Wirkung
Der Sicherheitsgurt in Pkw und Nutzfahrzeugen ist ein gutes Beispiel. In diesem Jahr gibt es in Deutschland seit genau 50 Jahren die Pflicht, den Gurt in Pkw anzulegen. In den Jahren nach 1976 folgten ein Bußgeld (1984) sowie die Gurtpflicht für Lkw (1992). Nach jedem einzelnen dieser Schritte sank die Zahl der im Straßenverkehr Getöteten deutlich. Heute liegt die sogenannte Anlegequote für Pkw bei mehr als 98 Prozent (Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen). Bei Lkw sieht es immer noch anders aus, wie die Dekra 2022 in einer Verkehrsbeobachtung feststellte: Nur 77 Prozent der Fahrerinnen und Fahrer von Fahrzeugen über zwölf Tonnen hatten sich angeschnallt. Wie wichtig jedes Prozent mehr bei diesen Quoten wäre, hat die Unfallforschung der Versicherer (UDV) berechnet. Wenn alle den Sicherheitsgurt anlegen würden, ließen sich jährlich 200 Menschenleben retten.
Zahlen können ein gutes Argument sein, überzeugen aber nicht alle. Ein universelles Rezept, jemanden zu überzeugen, gibt es leider nicht. Wer in seinem Betrieb oder in seinem Unternehmen Beschäftigte hat, die das Gurttragen ablehnen, sollte sich eine eigene Strategie zurechtlegen. Dabei hilft die BG Verkehr mit einem Flyer. Er führt typische Argumente auf, die Gurtmuffel häufig nennen – und entkräftet sie direkt.
Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat und die BG Verkehr stellen Gurtschlitten und Überschlagsimulator zur Verfügung, damit Interessierte spüren können, welche Kräfte selbst bei geringen Geschwindigkeiten auf den Körper wirken. Nicht nur auf Rastplätzen und Messen kommen sie zum Einsatz. Unternehmen und Betriebe können die Geräte für Termine vor Ort buchen. Wer es nach einer „Fahrt“ noch nicht verstanden hat, dem werden von der Moderation noch einige sehr eindrückliche Fragen zum Nachdenken gestellt.
Verhalten verstehen
Beim Umgang mit Gurtverweigerern hilft es, deren Gründe zu verstehen. Beim Sicherheitsgurt kann das ein vermeintlicher Zeitverlust oder eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit sein. Dabei wird ein Dilemma deutlich: Wer sich sicherheitsbewusst verhält, kann dies kurzfristig und regelmäßig als nachteilhaft erleben. Gleichzeitig hoffen alle, den unschätzbaren Vorteil des Gurts nie erleben zu müssen. Denn dieser wird erst bei einem Unfall, einer starken Bremsung oder einem Ausweichmanöver deutlich. Gurtschlitten und Überschlagsimulator vermitteln einen sehr guten Eindruck von den negativen Folgen unsicheren Verhaltens.
Wer noch keinen Unfall erlebt hat, kann sich oft nicht vorstellen, welche Kräfte dann auf den Körper wirken. Wer den Sicherheitsgurt anlegt, hat einen großen Anteil daran, ob und wie schwer er bei einem Unfall verletzt wird. „Wer erlebt hat, dass auch ohne Gurt nichts Gefährliches passiert ist, hatte vor allem eines: Glück“, sagt Hans Heßner, Fachreferent für Straßenverkehr und Fahrzeuge bei der BG Verkehr.
An anderer Stelle spielt uns die Wahrnehmung einen Streich. Je ungefährlicher wir eine Situation einschätzen, desto weniger bemühen wir uns um ein sicheres Verhalten. Bei einer Befragung der UDV beispielsweise nannten die Teilnehmenden am häufigsten das Argument „Anschnallen lohnt sich nicht, da nur kurze Fahrt“.
Bilder, die aufrütteln sollen
Immer wieder versuchen Kampagnen, mit drastischen Bildern zum Anlegen des Sicherheitsgurts zu motivieren. Vor einigen Jahren wählte beispielsweise die neusee-län-dische Regierung einen eindrucksvollen Weg: Sie zeigte Opfer von Verkehrsunfällen, die nur wegen des Sicherheits-gurts noch am Leben waren. Mit ernstem Blick zeigen sie die Verletzungen, die der Gurt von der Wucht des Unfalls hinterlassen hat. Wer sich vorstellen kann, was ohne Gurt passiert wäre, wird ihn künftig tragen.
Was bleibt, wenn schocken, mahnen und erklären auch nicht hilft? Zum Beispiel Bonuszahlungen für alle, die sich anschnallen. Eine Belohnung macht die Vorteile des sicheren Verhaltens direkt spürbar. Andere Gurtmuffel überzeugt es, wenn nach Abzug von Strafen am Ende des Monats weniger Geld auf dem Konto landet. Denn das tut direkt weh, nicht erst bei einem Unfall.