Der langjährige Kunde einer Spedition hat ein neues Produkt im Sortiment, das sich innerhalb kürzester Zeit sehr gut verkauft. Allerdings besteht es aus drei Teilen, die der Kunde von unterschiedlichen Lieferanten erhält. „Kann da nicht meine sehr zuverlässige Spedition helfen?“, fragt sich die Geschäftsführerin. Die Spedition freut sich über den zusätzlichen Auftrag und sagt spontan zu. Nur wenige Tage später stehen jede Menge Kartons und Kisten in der firmeneigenen Lagerhalle. Wer baut das Produkt jetzt zusammen? Und wo soll das geschehen?
Diese sogenannten manuellen Auftragsarbeiten sind keine Seltenheit. Manuell deshalb, weil die Beschäftigten hier in der Regel mit den Händen und körperlich arbeiten müssen. Meist finden diese Arbeiten nur kurzzeitig und oft kurzfristig statt. Beispiele dafür sind Kommissionier- und Montagearbeiten oder die Funktions- und Qualitätsprüfung. Mal handelt es sich um Einzelteile und Baugruppen für Konstruktionen, mal um Kleidung oder Lebensmittel, beispielsweise im Saisongeschäft. Größe, Form und Gewicht der Waren sind teils sehr unterschiedlich. Umso wichtiger ist es für die Betriebe, geeignete Arbeitsplätze so einzurichten, dass auch bei spontanen Aufträgen die Sicherheit und die Gesundheit nicht auf der Strecke bleiben. Die Situationen und Maßnahmen auf unserer Übersicht sind Beispiele aus der Praxis – die individuellen Arbeitsbedingungen im Betrieb müssen die Unternehmensverantwortlichen selbst beurteilen und entsprechende Maßnahmen in die Wege leiten.
Auch wenn sie nicht zum Kerngeschäft des Betriebs gehören oder es vermeintlich leichte Aufgaben sind – manuelle Auftragsarbeiten gehören in die Gefährdungsbeurteilung. Nach dieser Vorbereitung ist es deutlich leichter, spontan einen Auftrag zu übernehmen – und die Beschäftigten können ihn sicher und gesund ausführen!
Larissa Barwig
Aufsichtsperson bei der BG Verkehr
Das sollten Sie beachten
Hier finden Sie eine Übersicht, auf welche Dinge Sie bei der Planung eines Arbeitsplatz für manuelle Auftragsarbeiten achten sollten. Die beschriebenen Punkte sind Beispiele aus der Praxis. Individuelle Bedingungen müssen Sie immer selbst beurteilen.
Ergonomie
Herausforderungen sind:
- Arbeiten im Stehen,
- Heben und Tragen,
- Herausnehmen von Ware aus Kartons,
- Ablegen auf zu niedrige Arbeitsflächen oder Paletten.
All das belastet den Rücken. Dazu kommen einseitige Bewegungen, zum Beispiel beim Falten von Kartons.
Wichtig ist eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung unter Berücksichtigung der individuellen Leistungsvoraussetzungen. Ein behelfsmäßiger Arbeitsplatz reicht nicht aus. Rund um den Arbeitstisch muss genug Bewegungsfläche frei bleiben.
Lärm
Wenn bestimmte Arbeitsmittel Lärm erzeugen, gehört eine Beurteilung der Lärmbelastung dazu. Schutzmaßnahmen:
- Lärmquelle räumlich vom Arbeitsplatz abtrennen,
- Arbeitszeit im Lärmbereich reduzieren sowie
- einen geeigneten Gehörschutz nutzen.
Klima
Wie weit ist ein Hallentor entfernt? Unter Umständen sind Hitze, Kälte oder Zugluft bei geöffnetem Tor ein Problem. Heizung und Klimaanlage schaffen Abhilfe.
Handschutz
Beim manuellen Umgang mit Produkten besteht das Risiko, sich zu schneiden – beispielsweise an scharfen Ecken und Kanten oder mit einem Cuttermesser. Wichtig ist deshalb die Wahl von geeigneten Schutzhandschuhen.
Monotonie
Immer wieder die gleiche Bewegung sorgt nicht nur für Unaufmerksamkeit, sondern kann auf Dauer auf die Psyche wirken. Hilfreich ist es, wenn Beschäftigte sich gegenseitig ablösen können (zum Beispiel in Rotation), um die Arbeit abwechslungsreicher zu machen.
Stolpern, Rutschen, Stürzen
Ordnung halten! Herumliegendes Verpackungsmaterial ist eine Stolperfalle und Auslöser für Stürze und Ausrutscher.
Licht
Die Stärke der Beleuchtung muss zu den Tätigkeiten passen, um die Leistungsfähigkeit sicherzustellen und die Augenbelastung zu verringern. Die ASR A3.4 „Beleuchtung und Sichtverbindung“ gibt die Mindestbeleuchtungsstärken für jede Tätigkeit vor.
Verkehrswege
Der Arbeitsplatz darf nicht im Verkehrsweg von Gabelstaplern oder anderen Flurförderzeugen eingerichtet werden, sonst besteht Kollisionsgefahr. Flucht- und Rettungswege müssen außerdem frei bleiben.
Weiterführende Informationen
Wegweiser ergonomische Arbeitsgestaltung
DGUV Information 209-098