Porträt von Dr. Nadja Schilling
© Carsten Plückhan
Dr. Nadja Schilling

Frau Dr. Schilling, wie hilft Ihnen Ihr wissenschaftlicher Hintergrund bei Ihrer Arbeit?

Dr. Nadja Schilling: Geforscht und gelehrt habe ich lange zur Anatomie, Physiologie und Biomechanik bei Säugetieren inklusive des Menschen. Noch heute nützen mir aus dieser Zeit zwei Eigenschaften: Ich habe einen langen Atem und keine Scheu vor Technik. Das ist gut, denn meine Abteilung begleitet bis zu 40 Projekte gleichzeitig – und viele Themen sind dabei ingenieurwissenschaftlich geprägt.

Was bedeutet Ihre Arbeit für unsere Versicherten?

Schilling: Uns treibt die Frage an: Wie kommt Prävention im Alltag an – und wie entfaltet sie dort
ihre Wirkung? Unser Beitrag ist es, die richtigen Verbindungen herzustellen, Wissen zu teilen und Impulse aufzugreifen. Zum Beispiel unterstützen wir die Entwicklung von Unterweisungsmaterialien, die Mitgliedsunternehmen direkt nutzen können. Auf unserer internationalen Branchenkonferenz Straßenverkehr bringen wir Fachleute, Versicherte und Unternehmen zusammen. Diese Fachtagungen werden von meiner Abteilung organisiert. Die Nächste findet am 17. und 18. September 2025 statt.

Unter dem Titel „Fahrpersonal unterweisen – Game Changer für Sicherheit und Erfolg“ tauschen sich die Teilnehmenden aus. Bei einer früheren Konferenz vernetzten sich französische Kollegen mit Mitarbeitenden der BG Verkehr. Dadurch wurde das gemeinsame Interesse an einem Normungsvorhaben zur Reduzierung der Gefährdung durch Absturz vom Lkw über die Grenzen von Deutschland hinaus auf eine solide Basis gestellt.

Was nützt der Blick über den Tellerrand konkret?

Schilling: Wir teilen Erfahrungen und lernen neue Trends kennen, die wir direkt für unsere Arbeit
verwenden können. Als zentrale Stelle für die Projektierung von Informationen, Medien und Vorhaben der Prävention unterstützt unsere Arbeit unter anderem die Aufsichtspersonen im Außendienst. Das hilft wiederum den Mitgliedsunternehmen. So lehrte uns die Praxis, dass Medien auch ohne Sprache verständlich sein können. Gerade in vielfältigen Teams mit unterschiedlichen Sprachkenntnissen helfen visuelle Medien dabei, Arbeitssicherheit effektiv zu vermitteln. Daher gestalten wir unsere Videos und Broschüren besonders leicht zugänglich. Ein gutes Beispiel dafür sind die Animationsfilme für die Entsorgungsbranche, die wir in der Umsetzung begleitet haben. Die Kurzfilme werden sehr gut angenommen; nun sollen weitere Videos in anderen Branchen folgen.

Was ist aus Ihrer Sicht ein Grundsatz guter Präventionsarbeit?

Schilling: Nicht vermuten – prüfen. Das gilt in der Forschung wie im Betrieb.