In den USA sammelt die Prüf-Organisation Underwriters Laboratories (UL) seit 2019 Daten zu gefährlichen Vorfällen in Flugzeugen, die im Zusammenhang mit Lithium-Ionen-Batterien stehen. Berichtet wird von Überhitzung, Verformung von Geräten, Rauchentwicklung und einem ausbrechenden Feuer bis hin zur Explosion. Wie zu erwarten steigen die Zahlen kontinuierlich an. Etwa ein bis zwei Vorfälle in Passagier- und Frachtflugzeugen pro Woche verzeichnet die US-Luftfahrtbehörde FAA (Federal Aviation Administration) mittlerweile. Fachleute gehen davon aus, dass der Trend so weitergeht, denn mittlerweile bringt jeder Fluggast im Schnitt vier eigene Geräte mit Lithium-Ionen-Batterien an Bord. Das sind in einem Airbus A380 rund 2.000 potenzielle Brandstifter. „Wir haben für die deutschen Fluggesellschaften zwar keine ähnlich detaillierte Auswertung wie in den USA“, kommentiert Helge Homann, „aber die Problematik stellt sich bei uns natürlich ganz genauso dar.“
Homann, Hauptreferent für Luftfahrt bei der BG Verkehr, nahm im November 2025 an einer Tagung der europäischen Luftfahrtgruppe für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz in der Nähe von Frankfurt teil. Dort präsentierte die UL ihr Online-Portal Mytripportal, auf dem die großen amerikanischen Fluglinien und Hersteller gefährliche Vorfälle mit Lithium-Ionen-Batterien melden. Stand März 2025 waren dort 1.097 Unfälle gesammelt. Die Daten werden in anonymisierter Form veröffentlicht, intern können sie zum Beispiel auch nur für eine einzige Fluggesellschaft abgerufen werden.
Unfallbeispiele
Aufgeblähtes Handy
Am Flughafen München bemerkte die Besatzung nach dem Aussteigen der Fluggäste, dass sich ein Handy merkwürdig verformt hatte. Ein Mitarbeiter warf das Gerät aus dem Flugzeug und verbrannte sich dabei die Finger.
Brand im Handgepäck
Als ein Passagier während des Flugs mit einer asiatischen Airline das Gepäckfach öffnete, schlugen ihm Flammen entgegen. Die Besatzung konnte das Feuer unter Kontrolle bringen. Auslöser war ein überhitzter Akku – das Video der gefährlichen Situation verbreitete sich millionenfach im Internet.
Brennender Rucksack
Am Berliner Flughafen ging ein am Boden liegender Rucksack plötzlich in Flammen auf.
Ein Flughafenmitarbeiter konnte das Feuer kurze Zeit später löschen.
Notlandung wegen Tablet
An Bord eines deutschen Airbus zeigten sich deutliche Verformungen an einem Tablet. Das Gerät hatte sich an einem Sitz verklemmt. Wegen des hohen Sicherheitsrisikos entschloss sich die Besatzung zu einer Notlandung.
Powerbank als Brandursache
In einer südkoreanischen Maschine brach vor dem Start ein Feuer aus. Die Fluggäste konnten rechtzeitig evakuiert werden, bevor die Maschine komplett in Flammen aufging. Brandursache war eine Powerbank, die sich in einem Gepäckfach befand.
Die wichtigsten Erkenntnisse
Zwischen 2019 und 2024 hat die Anzahl der Vorfälle, bei denen sich Lithium-Ionen-Batterien im Luftfahrzeug erhitzten oder entzündeten, um 15 Prozent zugenommen.
- 80 Prozent aller Vorfälle betrafen die Kabine.
- In den kritischen Phasen des Flugs, also Start, Steigflug, Sinkflug und Landung, ereigneten sich 13 Prozent der Unfälle.
- Die Anzahl der Lithium-Ionen-Geräte im Passagier- und Frachtraum steigt kontinuierlich.
- Den Fluggästen ist nicht bewusst, wie hoch das Gefahrenpotenzial ist.
- Eine Aufklärungskampagne mit überraschenden Bildern soll für diese Problematik sensibilisieren.
"Präventionsmaßnahmen müssen sich vor allem an die Passagiere richten. Die Kampagne aus den USA ist dafür ein gelungenes Beispiel."
Präventionsmaßnahmen durch Aufklärung
Die Risiken von Lithium-Ionen-Batterien sind in der Bevölkerung kaum bekannt. Die Fachleute aus den USA gehen davon aus, dass nur etwa die Hälfte der Fluggäste ausreichend informiert ist. Das dürfte in Deutschland ähnlich sein. Dass man einen brennenden Akku nicht mit Wasser löschen kann, weiß längst nicht jeder. „Die deutschen Fluggesellschaften haben früh reagiert und die technische Ausrüstung zur Branderkennung und -bekämpfung modernisiert. Auch das Personal ist sensibilisiert und geschult“, bekräftigt Helge Homann. „Präventionsmaßnahmen müssen sich meines Erachtens deswegen vor allem an die Passagiere richten. Die Kampagne aus den USA ist dafür ein gelungenes Beispiel.“
Dorothee Pehlke
Redaktion SicherheitsProfi