Heißes Wasser, Wasserdampf und Abgase sind auf einem Seeschiff allgegenwärtig und unverzichtbar (auf einigen Schiffen werden auch Thermalöle verwendet). Der vor Ort erzeugte Dampf erhitzt Brennstoffe, beheizt Räume und bringt Maschinen und Anlagen auf Betriebstemperatur. Heiße Abgase entstehen beim Betrieb von Dampf- und Energieerzeugern sowie Hauptmaschinen. Diese Abgase müssen aus den Maschinenräumen abgeführt werden. Problematisch sind dabei die hohen Temperaturen: Bei Reparaturen an Anlagen oder in der Nähe von heißen Leitungen besteht Verbrühungs- bzw. Verbrennungsgefahr. Kritisch sind Leckagen am System: Achten Sie unbedingt darauf, die Ventile zu schließen, und warten Sie, bis die Reparaturstelle heruntergekühlt ist. Denn Flüssigkeiten, die heißer als 60 Grad sind, verbrühen blitzschnell unsere empfindliche Haut.
Wo man die Anlagen oder Systeme aus technischen Gründen nicht isolieren kann, ist es so heiß, dass ein Hautkontakt zu Verbrennungen führen kann. Wer schon einmal an einer heißen Rohrleitung entlang gearbeitet oder daran geschraubt hat, kennt das Problem. Berührt man versehentlich mit Händen oder Unterarmen eine heiße Stelle, führt dies zu schmerzenden Wunden, Rötungen oder Brandblasen.
Was tun im Notfall?
Verbrennungen und Verbrühungen sind sehr schmerzhaft und müssen schnell behandelt werden.
Dabei gilt:
- Bringen Sie Verletzte als Erstes aus dem Hitzebereich heraus. Frische Verbrennungen können sehr schmerzempfindlich auf die Umgebungshitze reagieren.
- Um die Schmerzen zu lindern, kühlen Sie bei leichteren Verbrennungen die betroffenen Körperstellen mit Wasser. Das Wasser sollte nicht eiskalt sein – am besten handwarm (15–20 °C).
- Rötungen, Brandblasen oder starke Verbrennungen müssen möglichst steril abgedeckt werden. Wichtig: Brandblasen schützen den Körper vor Infektionen und fördern die Wundheilung. Deshalb sollte man sie niemals aufstechen, sie verschwinden von selbst.
- Auf gar keinen Fall dürfen Sie Hausmittel wie Olivenöl, Butter oder Milch auf die Wunden auftragen. Auch die Anwendung von antiseptischen Salben oder ähnlichen Substanzen ist medizinisch geschultem Personal (Medical Care) unter funkärztlicher Beratung vorbehalten. Bei schweren Verletzungen oder Komplikationen wird eine weitergehende ärztliche Untersuchung veranlasst.
Umsichtig handeln im Betrieb und bei Reparaturen
Eine Reihe präventiver Maßnahmen schützt zuverlässig vor Verletzungen durch „heiße Medien“. Das A und O sind die fachgerechte Wartung und Pflege der Wärmeübertragungssysteme sowie deren regelmäßige Kontrolle. Undichtigkeiten müssen unverzüglich einem verantwortlichen Offizier gemeldet werden. Wichtig ist außerdem, wärmeübertragende Anlagen und Systeme nach einer Unterbrechung mit der notwendigen Sorgfalt in Betrieb zu nehmen und nur in langsamen Schritten thermisch zu belasten.
Besondere Vorsicht ist bei der Verwendung von Thermalölen geboten! Diese Öle sind in der Regel toxisch. Damit arbeiten darf ausschließlich qualifiziertes und unterwiesenes Personal, das die erforderliche persönliche Schutzausrüstung trägt.
Ist eine Reparatur erforderlich, stellen sich folgende Fragen:
- Sind die Anlagen abgeschaltet und die Ventile geschlossen?
- Ist die Stromversorgung sicher getrennt?
- Liegt eine Arbeitserlaubnis vor?
- Wurden die erforderlichen Zusatzmaßnahmen getroffen?
- Müssen die Arbeiten unmittelbar durchgeführt werden oder kann man warten, bis sich Maschinen- und Anlagenteile oder Medien auf ein akzeptables Temperaturniveau heruntergekühlt haben?
- Gibt es an der Arbeitsstelle genügend Platz und eine ausreichende Standfestigkeit?
- Lassen Wetter und Seegang ein sicheres Arbeiten zu?
- Liegt das richtige Werkzeug bereit?
- Wird langärmelige körperbedeckende Bekleidung (am besten ein Arbeitsoverall) getragen?
Ein Praxistipp zum Schluss: Schutzhandschuhe gegen thermische Gefährdungen schützen nur bedingt vor heißen Medien und Oberflächen. Sie wirken eher wie ein Isolator, der die Wärmeenergie verzögert aufnimmt und langsam nach innen durchleitet. Bemerken Sie innerhalb des Handschuhs eine starke Erhitzung, sollten Sie ihn nach Möglichkeit sofort ausziehen und die Arbeit unterbrechen.
Alexander Engel
Aufsichtsperson im Referat Seeschifffahrt und Fischerei der BG Verkehr
Aktuelle Unfallmeldungen
Wasser in der Leitung
Auf einem Containerschiff wurde die Heizungsanlage der Kabinen für die Crewmitglieder gewartet. Ein Schiffsmechaniker stoppte zunächst den Dampferzeuger, schloss dann die Ventile und begann anschließend, die Heizleitung zu entwässern. Beim Öffnen einer Rohrverbindung floss unvermittelt sehr heißes Wasser aus der Leitung. Es lief über Gesicht, Schulter und Arm des Mannes, der dadurch schmerzhafte Verbrühungen erlitt.
Rohrschacht geflutet
In einem Rohrschacht war die Dampfrücklaufleitung undicht. Dies führte zu einer vollständigen Flutung des Rohrschachts. Beim Versuch, das heiße Wasser mit einer mobilen Pumpe zu lenzen, fiel einem Besatzungsmitglied der noch nicht angeschlossene Saugschlauch in das kochend heiße Wasser. Ohne lange nachzudenken, versuchte er, den Schlauch mit dem Fuß aus dem Wasser zu holen. Er zog sich dabei schwere Verbrühungen zu und musste später aus gesundheitlichen Gründen abgemustert werden.
Dichtung versagt
Ein Besatzungsmitglied bemerkte im Maschinenraum auf Höhe einer Flanschverbindung eine Undichtigkeit der Dampfrücklaufleitung. Der Mann versuchte daraufhin, die Bolzen an der Flanschverbindung mit Werkzeug nachzuziehen. Dabei versagte die Dichtung und sehr heißes Wasser schoss heraus. Schwere Verletzungen am Oberkörper und im Gesicht waren die Folge.
Weiterführende Informationen
Die kostenlose App MediSee können Sie für Ihr Smartphone herunterladen!
Hinweise zur Behandlung von verletzten Personen an Bord von Schiffen unter
deutscher Flagge bieten auch die Notfallkarten sowie das Medizinische Handbuch See.