Porträt von Wolfgang Laske
© BG Verkehr
Wolfgang Laske ist Mitglied der Geschäftsführung und verantwortlich für den Geschäftsbereich Prävention bei der BG Verkehr.

Herr Laske, viele unserer Mitgliedsunternehmen kämpfen in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten ums Überleben. Und dann kommt eine Aufsichtsperson der BG Verkehr vorbei und kontrolliert die Gefährdungsbeurteilung ... Verstehen Sie, dass die Reaktion manchmal lautet: „Was soll ich denn noch alles machen?“

Wolfgang Laske: Selbstverständlich! Wir verlangen viel – und gerade deswegen verstehen wir den Arbeitsschutz so pragmatisch wie möglich. Sonst geht irgendwann gar nichts mehr. Es gibt durchaus Gestaltungsspielräume. Bei der Gefährdungsbeurteilung zum Beispiel sollte man sich zunächst nur auf die wirklich kritischen Punkte im Betrieb konzentrieren. 

Andererseits gibt es Pflichten, die nicht verhandelbar sind.

Laske: Das ist gesetzlich klar geregelt. Arbeitsschutz geht nicht ohne „Papierkram“. Wir versichern zu über 90 Prozent kleine Unternehmen, da macht die Geschäftsführung quasi alles. Deshalb ermutige ich immer wieder dazu, externe Fachleute einzubinden, etwa eine Fachkraft für Arbeitssicherheit vom ASD. Ein wirklicher Erfolg in der Prävention stellt sich allerdings erst ein, wenn die Verantwortlichen Tag für Tag mit gutem Beispiel vorangehen.

Kann man lernen, ein Vorbild zu sein?

Laske: Ich sage mal „Jein“. Einer Verantwortung muss man gewachsen sein. Als Unternehmens-leitung brauchen Sie spezielle Kenntnisse, Erfahrung, ein gutes Zeitmanagement und die Fähigkeit zu delegieren. Hinzu kommt allerdings auch eine persönliche Überzeugungskraft, die viel mit Emotionen zu tun hat. Ein konkretes Ereignis bewirkt oft ein Wachrütteln, eine Sensibilisierung. Wer zum Beispiel bei einer Unterweisung einen schweren Arbeitsunfall vor Augen hat, wird mit großer Glaubwürdigkeit darstellen können, warum bestimmte Schutzmaßnahmen nicht verhandelbar sind, und dies auch selbst vorleben.

Ich selbst habe zu Beginn meiner Arbeit bei der BG Verkehr einen Unfall in einem Entsorgungsunternehmen untersuchen müssen: Ein Mitarbeiter war aus Leichtsinn in eine Ballenpresse geraten – er wurde langsam zu Tode gequetscht. So was vergisst man nicht. Ich möchte, dass irgendwann niemand mehr solche Beispiele kennt, weil sie der Vergangenheit angehören!