Impulse für das TaxigewerbeSpätestens seit der Corona-Pandemie stecken viele klassische Taxiunternehmen in einer schwierigen Lage. Die Europäische Taximesse in Köln bietet zahlreiche Anregungen, wie das Gewerbe vorankommen könnte. Auch die BG Verkehr ist wieder dabei.https://sicherheitsprofi.bg-verkehr.de/webmagazin/themen/impulse-fuer-das-taxigewerbehttps://sicherheitsprofi.bg-verkehr.de/@@site-logo/SiPro-Logo.svg
Impulse für das Taxigewerbe
Spätestens seit der Corona-Pandemie stecken viele klassische Taxiunternehmen in einer schwierigen Lage. Die Europäische Taximesse in Köln bietet zahlreiche Anregungen, wie das Gewerbe vorankommen könnte. Auch die BG Verkehr ist wieder dabei.
Ungleicher Wettbewerb mit Transportplattformen, der Einstieg in die Elektromobilität, die Digitalisierung und das Erschließen neuer Kundengruppen: Die Taxibranche steht auch in diesem Jahr vor vielfältigen Herausforderungen. Wie sich Unternehmen darauf einstellen können und welche Entwicklungen die Branche prägen, ist unter anderem Thema der Europäischen Taximesse am 6. und 7. November 2026 auf dem Messegelände in Köln-Deutz.
Voraussichtlich wird in der Domstadt einiges los sein. „Die Halle ist mit 75 Ausstellern schon jetzt sehr gut gefüllt, wir spekulieren auf eine vollständige Auslastung“, sagt Dr. Michael Stehr, Geschäftsführer der veranstaltenden Fachvereinigung Personenverkehr Nordrhein, Taxi-Mietwagen.
Dabei ist die BG Verkehr mit ihrem Stand (E08). Hier können sich die Unternehmerinnen und Unternehmer zu allen Fragen über Mitgliedschaft und Beitrag in der Berufsgenossenschaft informieren. Der Schwerpunkt liegt auf der Verkehrssicherheit. Eine Fahrt mit dem Gurtschlitten zeigt, welche Kräfte bei Auffahrunfällen auf Fahrerin und Fahrer wirken – und warum Angurten auch bei kurzen Strecken Leben retten kann. Ein weiteres Exponat ist eine Fahrsimulation mit VR-Brille. Auf einer virtuellen Stadtfahrt werden Ablenkungen simuliert und deren Auswirkungen aufgezeigt. Und natürlich stehen die Fachleute der BG Verkehr mit Ratschlägen und kostenlosem Informationsmaterial zu Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz bereit.
Das Programm des begleitenden Fachkongresses war bei Redaktionsschluss noch nicht fertiggestellt. Es liegt jedoch als Flyer der Taxi-Teilauflage dieser „SicherheitsProfi“-Ausgabe bei. Die Schwerpunkte liegen diesmal beim Marketing und der Konkurrenz gegenüber Beförderungsplattformen wie Uber.
Am Stand der BG Verkehr können Gäste der Europäischen Taximesse in Köln den Gurtschlitten ausprobieren.
Digitalisierung kommt im Taxigewerbe voran
Spannend ist das Thema Digitalisierung sowohl in der Ausstellung als auch im Fachprogramm. Seit der Taximesse vor zwei Jahren hat es zahlreiche Neuerungen bei der Software für Disposition und Einsatzsteuerung sowie bei Verwaltungstätigkeiten wie der Abwicklung von Konzessionsanträgen gegeben. Erwartet wird auch eine erste Bilanz zur Einführung der Technischen Sicherheitseinrichtung (TSE), die seit diesem Jahr verpflichtend ist. Alle Taxameter und Wegstreckenzähler müssen mit einem BSI-zettifizierten Sicherheitsmodul ausgestattet sein, um Fahrten und Umsätze manipulationssicher aufzuzeichnen. Neben den fachlichen Themen kommt auch das Rahmenprogramm nicht zu kurz. Kultur und Live-Musik sorgen nach einem informativen Messetag für Unterhaltung und bieten Gelegenheit zum Austausch in entspannter Atmosphäre.
Björn Helmke Redaktion SicherheitsheitsProfi
Interview: „Im fairen Wettbewerb wird sich das Taxi behaupten“
Dr. Michael Stehr, Geschäftsführer der Fachvereinigung Personenverkehr Nordrhein, Taxi-Mietwagen.
Herr Dr. Stehr, warum sollten Taxiunternehmerinnen und Taxiunternehmer in diesem Jahr unbedingt zur Europäischen Taximesse nach Köln kommen?
Dr. Michael Stehr: Die Europäische Taximesse konnte nach dynamischem Neustart 2022 im Jahr 2024 in Köln ein starkes Comeback feiern. Dynamisch ist auch ein Schlüsselwort für das Taxi- und Mietwagengewerbe mindestens seit 2020: erst Kontaktbeschränkungen und Kurzarbeit, dann dramatische Verteuerung von Autos, Löhnen und Treibstoffen und zeitweise ungewohnt lange Lieferzeiten für Fahrzeuge.
Gleichzeitig werden die Unternehmer nach wie vor mit Ansätzen zur Veränderung der bisher gewohnten Mobilität konfrontiert: neue Antriebsarten und Energieversorgung für die Autos, Digitalisierung für Unternehmensführung und für vernetzte Verkehre, Digitalisierung zur Erfüllung fiskalischer Verpflichtungen. Wie entwickelt man ein Unternehmen und vor allem die Fahrzeugflotte in den nächsten Jahren weiter? Was kauft man ein? Wie sieht die digitale Ausstattung der Fahrzeuge im Zeitalter der Technischen Sicherheitseinrichtung aus? Auf der Europäischen Taximesse finden die Unternehmer Angebote und Antworten auf ihre Fragen.
Das Taxigewerbe befindet sich in einer erbitterten Auseinandersetzung mit Beförderungsplattformen. Kann sich das Gewerbe behaupten?
Dr. Stehr: Beförderungsplattformen erobern ihre Marktanteile in der Regel durch Dumpingpreise, die „normale“ Kosten wie Mindestlohn, Sozialabgaben, Fahrzeug und Betriebskosten gar nicht vollumfänglich abdecken können. In den letzten Jahren machen insbesondere Fernsehreportagen immer wieder auf die Problematik aufmerksam und zeigen die Arbeit der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls und der Finanzämter. Gegen unfairen Wettbewerb wird sich das Taxi nicht behaupten können. Wir hoffen darauf, dass auch die Konzessionsbehörden ihre Kontrollen verschärfen. Und darauf, dass Kontrollen dazu führen, dass im Personenbeförderungsgewerbe der faire Wettbewerb wieder zum Normalfall wird. Denn im fairen Wettbewerb wird sich das Taxi behaupten.
Im ÖPNV mehren sich die Klagen über zunehmende Gewalt gegen Busfahrende, Ticketkontrolleurinnen und -kontrolleure und andere Beschäftigte mit Fahrgastkontakt. Ist das Taxigewerbe auch von diesem Trend betroffen?
Dr. Stehr: Aus Gesprächen mit anderen Verbänden ist meine Wahrnehmung, dass sich das Problem von Kriminalität gegenüber Fahrern von Taxen und Mietwagen in den letzten Jahren eher verringert hat. Raubüberfälle lohnen sich im Zeitalter der Kartenzahlung einfach nicht mehr. Und reine Gewaltdelikte kommen bei Weitem nicht in dem Maße vor wie auf Bahnhöfen und in Bahnen und Bussen, die von viel mehr Menschen täglich genutzt werden. Dennoch legen viele Fahrer berechtigterweise Wert auf Alarmsirenen, Notfallknöpfe und GPS-Tracking durch die Zentralen.
Weiterführende Informationen
Europäische Taximesse 2026 6. und 7. November 2026 Messegelände Köln-Deutz www.eurotaximesse.de