Einen Sturz aus mehr als einem Meter Höhe definiert die gesetzliche Unfallversicherung als Absturz. Diese Unfallart ist seltener als das „normale“ Ausrutschen und Hinfallen – die daraus resultierenden Verletzungen sind allerdings oft schwer. Die Analyse und Vermeidung von Absturzunfällen ist einer der Präventionsschwerpunkte der BG Verkehr. Nicht jeder hat so viel Glück wie ein Besatzungsmitglied, das von einer fest verbauten Leiter aus etwa zwei Meter Höhe auf einen Niedergang fiel und von dort aus auf das darunterliegende Deck stürzte. Trotz des heftigen Sturzes blieben alle Knochen heil und der Mann kam mit Schürfwunden und dem Schrecken davon. Gänzlich anders verlief ein Sturz vom Lukendeckel auf das etwa zweieinhalb Meter tiefer liegende Hauptdeck eines Frachtschiffs. Brüche an Brust- und Lendenwirbelsäule waren die Folge; die Therapie ist langwierig.
So vermeiden Sie Stürze und Abstürze
- Gehen Sie Niedergänge immer rückwärts (mit dem Gesicht zum Niedergang) hinunter.
- Denken Sie an den festen Stand auf Leitern: Immer sollten entweder beide Füße und eine Hand oder ein Fuß und beide Hände Kontakt zur Leiter haben (Drei-Punkt-Regel).
- Benutzen Sie die Handläufe.
Sicherheitsmaßnahmen bei Seegang
Bei schwerem Wetter und überkommender See sollte grundsätzlich nicht an Deck gearbeitet werden. Falls es unbedingt erforderlich ist, zum Beispiel beim Nachlaschen der Ladung oder für andere die Sicherheit des Schiffs betreffende Arbeiten, sind weitergehende Maßnahmen Pflicht.
Niemals allein
Nur das Deck betreten, nachdem eine verantwortliche Person die Anweisung dazu gegeben hat und die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen getroffen wurden (zum Beispiel Anpassung von Kurs und Geschwindigkeit, Anlegen der PSA, Information des wachhabenden Offiziers).
Persönliche Schutzausrüstungen nutzen
Dazu gehören unter anderem eine Arbeitssicherheitsweste mit geeignetem Peilsender, Schutzhelm, Sicherheitsschuhe und bei Bedarf Wetterschutzkleidung.
Langsam und klein
An Deck den Körperschwerpunkt tief halten, langsame Bewegungen machen, nur mit kleinen Schritten vorwärtsgehen (nie springen).
Bei schwerem Wetter sichern
Wer bei schwerem Wetter an Deck arbeitet, muss sich an tragenden Teilen des Schiffs oder an einem Strecktau sichern. Dafür ist ein Auffang- oder Haltegurt als Rückhaltesystem zwingend erforderlich.
Weitere Informationen zu Arbeiten bei Seegang bietet das Modul B1 im Handbuch See der BG Verkehr.
Unfallmeldungen Seeschifffahrt und Fischerei
Unfälle lassen sich am besten vermeiden, wenn man gut informiert und vorsichtig ist. Deswegen muss die Crew wissen, wo und wann häufig etwas passiert. Meist wird unterschätzt, dass gerade scheinbar harmlose Routinearbeiten an Bord schnell mit einem Unfall enden können. Einen tödlichen Arbeitsunfall erlitt 2025 zum Beispiel ein Fischer, der beim Deckwaschen ins Wasser stürzte.
Welche Situationen oder Tätigkeiten sind also besonders unfallträchtig? Um eine Übersicht zu gewinnen, haben wir alle Meldungen zu Unfällen an Bord von Seeschiffen und Fischereifahrzeugen aus dem Jahr 2025 gesichtet. An welchen Arbeitsplätzen sich die Unfälle häufen, sehen Sie in der Tabelle unten. Dabei wurden auch Schilderungen von Unfällen berücksichtigt, die im eigentlichen Sinne nicht meldepflichtig waren (Meldepflicht besteht erst bei einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen). Von den insgesamt 405 Meldungen enthielten 228 verwertbare Unfallschilderungen.
Was die Statistik verrät
- Immer wieder: Schiffsdeck und Fußboden und deren Beschaffenheit spielen bei den meisten Unfällen eine Rolle. Stolpern, Rutschen und Stürzen auf ebenen Flächen und Treppen sind die mit Abstand häufigsten Unfallhergänge.
- Immer gefährlich: Sturm bleibt auch im 21. Jahrhundert eine besondere Herausforderung.
- Immer präsent: Die Verwendung von Messern, Scheren, Schraubenschlüsseln und Hämmern führt häufig zu Verletzungen. Die bestimmungsgemäße Verwendung der Arbeitsmittel und eine Sichtprüfung vor der Benutzung würden hier schon weiterhelfen.
Alexander Engel und Johann Poppinga
Aufsichtspersonen im Referat Seeschifffahrt und Fischerei
Auszug aus der Unfallstatistik 2025
Handelsschifffahrt: Unfallort oder -ursache |
Anzahl Unfälle |
|
Schiffsdeck und Fußboden |
47 |
|
Treppe |
38 |
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Trossen, Taue |
17 |
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Tür, Pforte |
13 |
|
Landgang, Steigleiter |
12 |
|
Drehbank, Schleifmaschine etc. |
9 |
|
Einrichtungen zum Kochen, Braten, Kühlen und Warmhalten |
9 |
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Messer, Scheren |
8 |
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Einrichtungsgegenstände im Wohnbereich |
5 |
|
Verbrennungsmotor |
4 |
|
Schraubenschlüssel |
3 |
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Elektrische Anlagen, Schalttafeln, Transformatoren |
3 |
|
Luken |
3 |
Fischerei: Unfallort oder -ursache |
Anzahl Unfälle |
|
Netze, Scherbretter o. Ä. |
9 |
|
Schiffsdeck und Fußboden |
7 |
|
Messer, Scheren |
5 |
|
Fässer, Paletten, Kisten etc. |
3 |
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Windböe, Sturm |
2 |
|
Drehbank, Schleifmaschine etc. |
1 |
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Schanzkleid, Reling |
1 |
|
Verbrennungsmotor |
1 |
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Heißes Wasser, Wasserdampf, Druckluft |
1 |