Wirksamer Infektionsschutz beruht nicht auf Perfektion, sondern auf klaren Abläufen, guter Kommunikation und grundlegenden Hygienestandards. Ob im Büro, in Werkstätten, auf Baustellen, im Nahverkehr oder in der Entsorgung: Gemeinsam genutzte Räume, Arbeitsmittel und Fahrzeuge gehören zum Alltag. Das bedeutet jedoch nicht automatisch viele Viren. „Nicht Keimfreiheit ist das Ziel, sondern ein vernünftiger Umgang mit Infektionsrisiken“, betont Christopher Ritz, Facharzt für Allgemeinmedizin mit Schwerpunkt Verkehrs- und Flugmedizin bei der BG Verkehr.
Zu den wirksamsten Maßnahmen zählt weiterhin das regelmäßige Händewaschen. Am besten eignen sich Wasser und Seife. Besonders wichtig ist es nach dem Toilettengang, vor dem Essen sowie nach dem Husten, Niesen oder Naseputzen. Handschuhe können bestimmte Tätigkeiten sicherer machen, ersetzen jedoch weder das Händewaschen noch die Händedesinfektion.
Häufig berührte Kontaktflächen verdienen Aufmerksamkeit. Dazu zählen Türgriffe, Lichtschalter, Tastaturen, Touchscreens, Arbeitsflächen und Gemeinschaftsgeräte wie Kaffeemaschinen. Außerhalb besonderer Risikobereiche ist eine routinemäßige Flächendesinfektion meist nicht notwendig, es genügt das Reinigen. Ebenso wichtig ist frische Luft. Regelmäßiges Lüften senkt die Belastung durch Krankheitserreger in Innenräumen und verbessert das Raumklima.
»Informationen erreichen die Mitarbeitenden auf dem Tablet, das sie täglich nutzen.«
Thomas Trümper, Fachkraft für Arbeitssicherheit bei den EW Eichsfeldwerken
Was aus der Pandemie geblieben ist
Viele Unternehmen haben während der Corona-Pandemie Lösungen entwickelt, die sich auch im heutigen Arbeitsalltag bewähren. Das zeigt auch die Erfahrung von Thomas Trümper Fachkraft für Arbeitssicherheit bei den EW Eichsfeldwerken. Das Unternehmen betreibt den Nahverkehr mit Bussen und organisiert die örtliche Entsorgung. Im Busbetrieb stand vor allem der Schutz der Fahrerinnen und Fahrer im Mittelpunkt. Das Unternehmen organisierte die Abläufe so, dass Fahrgäste und Personal möglichst wenig Kontakt hatten. Zudem erhöhte es die Reinigungsintervalle für Haltestangen, Böden und Lüftungsanlagen.
Im Entsorgungsbereich setzte das Unternehmen vor allem auf organisatorische Maßnahmen. Die Beschäftigten arbeiteten in festen Teams und hatten möglichst wenig Kontakt zu anderen Gruppen. Einsatzpläne schickte die Disposition nur noch digital über die Tablets. Fahrerinnen und Fahrer starteten ihre Touren teilweise direkt von zu Hause, statt zunächst den Betriebshof anzufahren. „Wir haben versucht, Kontakte dort zu vermeiden, wo sie für die Arbeit nicht notwendig waren“, berichtet Trümper. Auch an Umladestationen sorgten versetzte Einsatzzeiten dafür, dass sich Teams möglichst selten begegneten. Das Ergebnis: Der Betrieb blieb handlungsfähig. Die Entsorgung lief weiter, größere Ausfälle blieben aus.
»Saubere Hände, gute Kommunikation und klare Abläufe machen Betriebe widerstandsfähiger.«
Christopher Ritz, Facharzt für Allgemeinmedizin bei der BG Verkehr
Vorbereitung schlägt Aktionismus
Die Pandemie hat gezeigt, dass nicht nur die Krankheitserreger selbst Herausforderungen verursachen. Probleme entstehen oft durch Personalausfälle, Lieferengpässe oder unklare Zuständigkeiten. „Panik hilft nie“, sagt Ritz. „Wer vorbereitet ist, kann deutlich ruhiger und zielgerichteter handeln.“ Dafür braucht es keinen umfangreichen Ordner im Regal. Ein praxistauglicher Pandemieplan beantwortet vor allem einige grundlegende Fragen:
- Wer beobachtet aktuelle Entwicklungen?
- Wer informiert die Beschäftigten?
- Welche Kommunikationswege stehen zur Verfügung?
- Welche Tätigkeiten müssen unbedingt aufrechterhalten werden?
- Welche Materialien sollten in begrenzter Reserve vorhanden sein?
Gerade die Kommunikation spielt eine wichtige Rolle. Trümper erinnert sich, dass Informationen während der Pandemie nicht einfach am Schwarzen Brett hingen. Stattdessen nutzte das Unternehmen die bereits vorhandenen Tablets. So erreichten wichtige Hinweise die Beschäftigten direkt. „Man muss die Leute mitnehmen und sicherstellen, dass Informationen auch ankommen“, sagt er.
Kleine Vorräte, großer Nutzen
Auch bei der Bevorratung empfiehlt Ritz Augenmaß. Niemand muss Lagerhallen mit Schutzmaterial füllen. Sinnvoll ist jedoch eine überschaubare Reserve wichtiger Verbrauchsmaterialien. Dazu gehören beispielsweise Handwaschlotion, Papierhandtücher, Hautschutz- und Hautpflegecreme sowie geeignete Reiniger.Je nach Tätigkeit können auch Desinfektionsmittel und Masken sinnvoll sein. Wichtig ist, die Bestände regelmäßig zu prüfen und abgelaufene Produkte auszutauschen.
Einfache Maßnahmen verringern Ausfallzeiten und verbessern die Arbeitsbedingungen:
- saubere Sanitärbereiche,
- gut erreichbare Waschgelegenheiten,
- klare Vertretungsregelungen,
- ein verantwortungsvoller Umgang mit Krankheitssymptomen, insbesondere indem Beschäftigte bei ansteckenden Erkrankungen zu Hause bleiben.
Auch Impfangebote können dazu beitragen. Bei den EW Eichsfeldwerken unterstützt der Betriebsarzt entsprechende Aktionen bis heute, etwa während der Grippesaison.
Niemand weiß, ob und wann die nächste Pandemie kommt. Sicher ist jedoch: Unternehmen profitieren von Strukturen, die bereits im Alltag funktionieren. „Die wirksamsten Maßnahmen sind oft die einfachsten“, fasst Ritz zusammen. „Saubere Hände, gute Kommunikation und klare Abläufe machen Betriebe widerstandsfähiger.“ Wer diese Grundlagen pflegt, ist nicht nur auf die nächste Pandemie besser vorbereitet. Auch Grippe- und Erkältungswellen lassen sich so leichter bewältigen.
Dr. Marc Sgonina
Redaktion SicherheitsProfi
Weiterführende Informationen
Händehygiene-Empfehlung
Webseite des Robert-Koch-Instituts
Printmaterialien und Tipps zum Infektionsschutz
Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit